Niklas Rosche - Zusammen allein

Der Schreibimpuls findet sich am Ende der Seite

Wer läuft so spät freitagnachts durch die Stadt ohne Sinn?

Ohne die leitende Frage „Wo geht es heut‘ für mich hin?“

Ein Verzweifelter,

der versucht, vor Schuld und Liebe zu fliehn‘.

Dessen Leben langsam, aber sicher zu Grunde ging.

Er hält den Joint in der linken Hand,

in der anderen die Flasche Wodka- ganz ohne Scham.

Der treue Begleiter,

in jener Nacht.

Die Gefühle sind ihm abhandengekommen.

Die Liebe und sein Selbst befinden sich an zwei unterschiedlichen Orten.

Ist zwiegespalten zwischen Selbstliebe und Hass.

Hat über andere Möglichkeiten überhaupt nicht nachgedacht.

Die Worte, die in seine Ohren einschlugen, klingen komisch,

so ungreifbar und unreal.

Doch sie waren so eindringlich,

so direkt,

verständlich und klar.

nun ist ihm alles egal.

 

Meine treue Seele,

wieso schaust du mich so an,

mit deinem blassen, verträumten und bildhübschen Gesicht.

Sag, genüge ich dir etwa nicht? –

Du warst mir genug,

doch in letzter Zeit

merke ich, dass ich nicht mehr glücklich bin,

ich weiß nicht, ob das Zukunft hat,

du und ich,

wir beide zu zweit. –

Wollte dir nie etwas Böses,

hab‘ dich immer auf Händen getragen.

Und nun tust du so, als hättest du das alles einfach nur ertragen?

Unsere Streitigkeiten an manchen Tagen,

deine unzähligen,

plötzlichen und doch immer sehr konkreten Fragen.

Möchtest du mir sagen,

dass sie allein daran lagen?

Waren deine Zusprüche,

deine Worte und Erklärungen nur leere Phrasen?

Hab‘ ich mich verändert,

was stört dich so plötzlich an mir?

Alles was ich hatte,

ich gab es dir. –

Du gabst mir vieles,

da hast du recht.

Aber du gibst dir Tag für Tag immer mehr den Rest.

Der Geruch von Gras und Alkohol,

dein neues alltägliches Parfüm.

Es riecht seltsam.

Dein neues Ich.

Und du merkst nicht,

dass mich das immer weiter verletzt.

Ich möchte nicht zusehn‘, wie du dich selbst verlierst,

doch retten kann ich dich auch nicht,

das ist mir bewusst.

Und es ist auch nicht einfach für mich zu verstehen,

dass das gestern der letzte war.

Unser letzter Kuss.

Er schmeckte komisch.

Nach Freiheit und zugleich nach Verlust.

 

Doch ich halte ihn nicht mehr aus,

diesen ganzen Frust.

Drum sieh‘ es als Chance, dich weiterzuentwickeln.

Und uns möglicherweise in ein paar Jahren nochmals zu begegnen.-

 

Du möchtest also alles, was wir hatten, beiseite werfen,

Menschen kennenlernen und mich ersetzen mit ihrem Charakter und Werten?

Sag mir, wie soll das werden,

wir beide allein,

ohne die Möglichkeit, vom anderen zu lernen?

Nun gib mir eine Chance,

ich werde sie nutzen,

ganz gewiss.

Aber ich ertrage das Leben nicht.

Ganz allein und ohne dich.–

Ich will dich nicht vergessen oder zu ersetzen versuchen durch andere Menschen.

Aber ich möchte glücklich sein.

Mit jemand anderem oder alleine,

doch mach es dir bitte nochmals klar:

Das klappt nicht mit uns beiden.

Ich gab dir so oft Chancen.

Die Möglichkeit, dich zu ändern,

dich leichter zu ertragen.

Aber bitte rede nicht bei mir von leeren Phrasen.

Du versprachst mir so oft Dinge und letztendlich wurde daraus nichts.

Im Sand verlaufen,

nie wieder darüber gesprochen,

selbst wenn ich es wollen würde,

ich kann auf deine Veränderung,

dein altes Ich schlichtweg nicht mehr hoffen.

Ich habe keine Zeit mehr, auf Änderung zu warten. –

Aber hörst du nicht, was ich dir versprach?

Bedingungslose Liebe,

Treue und ein Zufluchtsort bis zu deinem letzten Tag?

Denk mal daran, was ich dir alles gab.

Ich will dir immer noch alles geben.

Alles, was du brauchst.

Gib mir noch eine Chance,

aber hör mit diesem Schwachsinn auf.

Ich weiß, du liebst mich und ich liebe dich.

Wir sind füreinander bestimmt,

du und ich.

Wieso verstehst du das nicht?

Ich sehe es,

tief in deinem unvergleichlich hübschen und wie auf Leinwand gemalten Gesicht,

du kannst das nicht aufgeben,

dafür bist du zu schwach.

Ich weiß,

du wirst in deinem Bett liegen,

nächtelang hellwach,

bereuend und heulend die ganze Nacht.

Sei zu dir ehrlich und werd‘ dir bewusst,

dass dich kein anderer Mensch so glücklich machen kann. –

Ich liebe dich und du liebst mich.

Doch zur Liebe gehört auch eine klare Sicht zu haben und zu verstehen:

Jeder muss glücklich sein und sich geborgen fühlen.

Das Gefühl von Zufriedenheit und Wohlergehen ist durch nichts zu ersetzen,

durch keine deiner Gaben.

Und ich bitte dich,

gehe weiter und fange nicht an, auf mich zu warten.

Das ist alles, was ich habe zu sagen. –

Nun gut,

ich verstehe dein Anliegen und gebe nun Ruh.

Ich will, dass du weißt,

dass ich für dich und unsere Liebe alles tu.

Das einzige, was ich will und was ich brauche,

das bist du.

Drum schrieb ich auch dieses Gedicht,

ich schrieb es ganz allein nur für dich.

mit blauer Tinte auf weißem Papier.

Vielleicht ist es das letzte, was du von mir hörst.

Mein Herz,

mein Leben.

Das gehörte alles dir. –

 

Nun, Tage später, erreicht eine Nachricht den sich lösenden Part.

Das der andere das Leid nicht ertrage,

und nun allein ist.

Irgendwo anders,

wo es ihm hoffentlich besser gehen mag.

 

 

 

 

 

 

 

 
Impuls: 

Schreibe einen Text, in dem eine Sache seltsam riecht, eine andere komisch klingt und eine dritte merkwürdig schmeckt.